Grußwort zum Herbstsemester 2021 - Scheinbar grenzenlos!

Scheinbar grenzenlos ist die heutige „Russische Föderation“ auf der Weltkarte. Tatsächlich ist sie mit 17,1 Mio. km² das größte Land der Welt. Davon liegen 23% auf dem europäischen Kontinent und 77% auf dem Asiatischen. Vergleichsweise entspricht die Gesamtfläche der anderen 54 europäischen Staaten und Gebiete mit 9,2 Mio. km² etwa nur der Hälfte der Fläche der Russischen Föderation. Wissenswert ist auch die Tatsache, dass die Russische Föderation ein Vielvölkerstaat mit über 190 Ethnien ist. Es gibt dort 151 Sprachen – davon lt. UNESCO-Bericht 2009 gelten 136 als bedroht -, und 76 Muttersprachen der heimischen Völker werden an Schulen unterrichtet.

Ein großes, einflussreiches und kontroversbehaftetes Land!

Die Frage stellt sich immer wieder: Gehört Russland zu Europa? Wenn die Antwort basierend auf der Verteilung der russischen Territorien gegeben wird, ist Russland eher asiatisch. Aber in Anbetracht des Zentrums der politischen Macht und der Staatsinstitutionen, der Lage der bedeutenden Städte und aufgrund der kulturellen Nähe tendieren viele dazu, Russland als ein Teil Europas zu sehen. Bekräftigt wird diese Einschätzung durch die Tatsache, dass aus insgesamt 146,24 Mio. Einwohnern (Stand: Januar 2021) ca. 100 Mio. westlich des Urals leben. Mit über 12 Mio. Einwohnern ist Moskau die größte Stadt Europas.

Geschichtlich und kulturell - und trotz etlicher Differenzen - wird Russland eher als zu Europa gehörig gesehen. Durch die Weltoffenheit von Peter dem Großen und Katharina der Großen konnten sich Einflüsse europäischer Kultur im Land verbreiten. Allerdings musste sich Russland auch immer wieder gegen europäische Aggressoren verteidigen; man denkt u.a. dabei an Napoleon und an die „Vaterländischen Kriege“. Betroffen von politischen Ereignissen waren außerdem jüdische Gemeinden, die mal geduldet mal vertrieben wurden.

Über Jahrhunderte haben russische Künstler einen beeindruckenden Beitrag zum kulturellen Erbe Europas geleistet. Wer hat sich nicht in das Russland von Dostojewski und Tschechow verliebt und der Musik von Strawinsky oder Prokofjew gelauscht? Maler wie Wassili Kandinski und Marc Chagall haben die europäische Kulturlandschaft deutlich bereichert.

Mit ihrem aktuellen Schwerpunktthema bietet unsere Volkshochschule einen Einblick in die Vielfalt der Russischen Föderation. Mit Vorträgen und Führungen wie „Russische Spuren in München“, „Kandinski“ und dem Besuch im Kloster des heiligen Hiob und u.a. mit Kochkursen und Wodka - Tastings erfahren Sie vieles über das Land der Zaren.

Scheinbar grenzenlos schienen auch meine Aktivitäten als Vorsitzende der Volkshochschule. Nach 23 Jahren ehrenamtlichen Engagements möchte ich mich nun anlässlich der nächsten Mitgliederversammlung verabschieden. Bei allen, die mich im Laufe der Jahre unterstützt haben und mit mir „durchs Feuer“ gegangen sind, möchte ich mich für die konstruktive und freundschaftliche Zusammenarbeit sehr herzlich bedanken. Mit der Volkshochschule bleibe ich selbstverständlich verbunden – wie sollte es auch andres sein?

Unseren Teilnehmer*innen wünsche ich - nach dieser langen Pandemie Zeit – besonders viel Freude und Erfolg bei dem Besuch unserer Veranstaltungen. Team und Vorstand der vhs Olching bedanken sich bei Ihnen sehr für Ihre Treue und Ihre Geduld während der Pandemie.

Hélène Sajons, ehrenamtliche Vorsitzende des Vorstands

Quellen: https://www.russlandjournal.de/russland/russische-foederation/ ; https://de.rbth.com/kultur/79822-russland-zwischen-ost-und-west ;
https://www.bpb.de/nachschlagen/zahlen-und-fakten/europa/70500/flaechen-und-bevoelkerungsdichte; http://www.leseuronautes.eu/gehoert-russland-zu-europa/