Grußwort zum neuen Semesterprogramm

Programmschwerpunkt: Nachbarschaft


Nachbarschaft: Bürde oder Segen?
Gute nachbarschaftliche  Beziehungen wünschen wir uns alle. Wie diese aussehen sollten, darüber
gehen allerdings die Meinungen oft auseinander. Dem einen genügt es zu wissen, dass die
Nachbarn bereit sind, Blumen zu gießen oder den Kater zu füttern, wenn man unterwegs ist. Der
andere möchte intensivere Kontakte mit fröhlichen Grillabenden oder Straßenfesten. Hier zeigt
sich das Bedürfnis eine Gemeinschaft zu bilden, wo man sich gegenseitig kennt, schätzt, hilft und
aufeinander Rücksicht nimmt. Andere wiederum halten von den Nachbarn  Abstand  und möchten
am  liebsten nichts mit ihnen zu tun haben. So oder so  können wir uns meistens unsere Nachbarn
nicht aussuchen und unsere Beziehungen zu ihnen haben einen unvermeidbaren Einfluss auf unser
Leben und  unsere Gesundheit. Wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass
„nachbarschaftliche Netzwerke die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben fördern und damit
integrativen Charakter haben. Soziale Einbindung fördere Gesundheit, insbesondere die psychische
Gesundheit, und schaffe Unterstützung, die vor allem in gesundheitlichen Krisen wichtig sein
könne. (Richter/Wächter 2009)“ *
Weitere Untersuchungen zeigen den Einfluss der Wohnumgebung auf das Verhalten der
Bewohner. Zum Beispiel kann der Verfall eines Straßenzuges, eines Wohnhauses oder einer
Siedlung – so die „Broken-Windows-Argumentation“ von Wilson und Kelling –„ ein Indiz dafür sein,
dass sich niemand um diese Straße oder dieses Stadtviertel kümmert und es außer Kontrolle
geraten ist. Daraufhin ziehen sich die Menschen auf ihren engsten Kreis zurück, das Gebiet, für das
sie sich verantwortlich fühlen, reduziert sich auf die eigene Wohnung“**. Die Kriminalität
verbreitet sich. Nachbarschaftshilfe und –beziehungen sind dann inexistent.
Neben „Nachbarschaft“ im Sinne von „nebeneinander wohnen“  wird der Begriff benutzt, um eine
gewisse Nähe zu verdeutlichen: z.B. spricht man von „Nachbargemeinden, Nachbarländern, den
Nachbarn Europas, europäischen Nachbarn, …“. Die Nähe scheint sich zu relativieren! Aber der
Begriff hat durchaus immer eine positive Konnotation. Wir lernen und profitieren von
Nachbarländern, erkunden ihre Kultur, entdecken ihre Sprache und ihre Bräuche und genießen ihre
Küche: wir nähern uns diesen Themen in unserem Schwerpunktprogramm im Herbst.
Ob Nachbarschaft eine Bürde oder ein Segen ist, liegt selbstverständlich an der eigenen
persönlichen Situation und dem Umfeld.  Im Landkreis Fürstenfeldbruck verfügen wir
glücklicherweise über verschiedene Organisationen, die unterstützend als  Nachbarschaftshilfen
tätig sind.  Diskret,  selbstlos und bescheiden handeln  aber auch  viele Menschen, für die Helfen
eine Selbstverständlichkeit ist. Wünschen wir uns nicht alle eine Nachbarin oder einen Nachbarn,
der unsere Medikamente aus der Apotheke holt, wenn wir mit hohem Fieber im Bett liegen? Ein
anerkennendes Dankeschön an alle, die „gute Nachbarn“ sind!
Wir sind Ihre Nachbarvolkshochschule und sind stolz darauf!  Wir sind für Sie da! Wir passen unser
Angebot immer gerne Ihren Bedürfnissen an.
Ein herzliches Dankeschön für die Treue, die Sie uns seit Jahren halten!
Hélène Sajons
Ehrenamtliche Vorsitzende der vhs Olching


* www.gesunde-nachbarschaft.at/wissen/nachbarschaft-und-gesundheit
** de.wikipedia.org/wiki/Broken-Windows-Theorie